Neue LED-Ampeln nachts viel zu hell

(30.9.05)

LED-Ampel

Eigentlich toll und wahrlich passend, daß die Welt-Pferde-Hauptstadt Aachen bundesweit Vor-Reiter der neuen LED-Ampeln ist. Doch ist bei dieser Sache leider nicht alles toll: Als wenn der Vordermann nämlich bei schönstem Wetter die Nebelschlußleuchte anhätte, wird man bei den neuen Ampeln nachts visuell doch ziemlich kräftig drangsaliert! Aber natürlich gibt es auch diverse Gründe dafür in Form diverser Vorteile (Reihenfolge laut den hiesigen Auskünften):

1. Die LED-Elemente besitzen eine längere Lebensdauer als die herkömmlichen Glühbirnen. Dadurch sinken die Wartungskosten, weniger Arbeitszeit muß bezahlt werden.
2. Wegen des geringeren Stromverbrauchs spart man noch mal Geld.
3. Sie sind tagsüber, vor allem bei starkem Sonneneinfall, besser zu sehen als die Glühbirnen.

Schön und gut, aber sind sie nachts einfach viel zu hell, was ja auch aufgrund des Vorteils Nr.3 nicht wirklich überraschend ist.

Daß sie beim Austausch an einer bestehenden Ampelanlage eh heller erscheinen müßten, da die ausgetauschten Glühbirnen aufgrund ihrer Verweildauer wahrscheinlich schon etwas ausgenudelt sind, ist verständlich. Doch kann das kaum der alleinige Grund sein, da uns sonst auch gelegentlich normale Ampeln nach einem Glühbirnentausch hätten blenden müssen.
Nein, das kommt höchstens noch ein Stückchen dazu.

Ihre an sich höhere Leuchtkraft ist es, die einem nachts die Sicht einschränkt: Wenn man in dunklerer Umgebung - mitten in der hellerleuchteten Stadt isses natürlich nicht so gravierend - eine grüne LED-Ampel passiert, passiert man nun nicht mehr zwei grüne Lichter links und rechts, sondern zwei regelrechte Sonnen, deren Licht sich in der gewölbten Windschutzscheibe auch noch hervorragend ausbreitet und umso mehr die Sicht raubt.
So ist die Durchfahrt an einer solchen Ampel nicht nur unangenehm, sondern läßt uns nunmehr fast nur noch erahnen, ob sich etwa ein Fußgänger an oder auch nur in der Nähe der Ampel befindet oder nicht. Ein Kind etwa, daß zwei Meter dahinter unachtsam über die Straße ginge, könnte ein Autofahrer nur noch schwer erkennen, da es von der grünen Korona förmlich verschluckt wird.

Um mich über diesen störenden wie gefährlichen Zustand auszulassen, rief ich als erstes die Stadt an. Dort die wenig überraschende Antwort, ich sei nicht der erste, der sich darüber beschwert. Doch die "Befehlsgewalt" obliegt weniger der Stadt, als der "BAST", der Bundesanstalt für Straßenwesen, also rief ich dort an.

Nach vielen Versuchen erreichte ich schließlich einen der Verantwortlichen, der mir wiederum bestätigte, die Problematik sei bekannt. Wie es denn mit einer Regeltechnik aussähe, die nachts einfach den Strom runterführe, fragte ich. Jo, ist technisch kein Problem, wird in Holland sogar bereits gemacht. Doch in Deutschland nicht; letzten Endes müßte man sich an den Hersteller wenden: Siemens, Abteilung Verkehrstechnik, München.

Verfügte ich über ein Bildtelefon, hätte ich sicherlich flott eine meiner zahlreichen Trachten übergezogen und mir Brezelkrumen in den Mundwinkel bugsiert, doch so blieb ich halt der echte Aachener, jo mei, ist mir auch lieber.

Dort verband man mich nach kurzem Warten mit einem Herrn, dessen Name mir auch schon vom vorhergehenden Telefonat noch als mögliche Kontaktperson im Ohr klang.
Als erstes wieder natürlich auch hier die Bestätigung, daß sich bereits zahlreiche Personen als auch Kunden (von Siemens!) darüber beschwert hätten und die Information, daß auch England über Nachtschaltungen verfügte.

Nun ja, hierzulande gäbe es Bedenken, daß bei einer Nachtschaltung es durch einen Fehler möglicherweise auch tagsüber zu dieser und somit Chaos kommen könnte.
Dieses Argument könne aber wohl kaum existieren, erwiderte ich, da ja die schon lange Zeit vorhandenen Nachtschaltungen in Form des gelben Blinkens oder gänzlichen Abschaltens bestehender Ampelanlagen gleiche Gefahren bergen würden. Doch sei dies auf politischer Ebene verankert und obliege dementsprechend leider nicht der Siemenschen Reichweite.

Der nette Herr versicherte mir aber, daß ihre nächsten LED-Ampeln nicht mehr ganz so hell sein dürften, und zwar absichtlich. Immerhin, doch würden Nachtschaltungen doch so oder so Nutzen bringen (noch höhere Stromeinsparung), hakte ich nach. Zudem könnten die neuen LEDs möglicherweise immer noch zu hell sein.
Ja, meinte er, jedoch würde die Verbauung entsprechender Steuerelemente wohl an den entsprechenden europäischen Gesetzen scheitern, die eingehalten werden müßten.

Doch da Holland und England es ja konnten, mußte es ja letzten Endes auf nationaler Ebene liegen.

Deutschland könne wohl innerhalb dieser europäischen Richtlinien hantieren, hieß es, jedoch würde ein solches Vorhaben wahrscheinlich an unserer deutschen Bürokratie scheitern, zumindest nen Bart bekommen.

Wie es - auf welcher Ebene auch immer - überhaupt zur Absegnung und Installation solcher Brüllaffen-Ampeln im Vergleich zu den bisherigen Koboldmaki-Pendants kommen konnte, ist ja bereits verwunderlich. Aber nun denn: Das Problem ist bekannt und Siemens scheint die LED-Ampeln bändigen zu wollen/ können, wenn auch (fast zwangsläufig) ohne die mehrfach sinnvolle Regeltechnik.

Nun muß ich mich wohl in die Fluten der Bürokratie stürzen -
vielleicht stoß ich ja auf den Grund...